Die Ausgrabung

Im Frühjahr 2013 machte Naturalis sich auf die Suche nach Überresten des bekanntesten fleischfressenden Dinosauriers. Dabei kam das Team in Kontakt mit dem Paläontologen und T. rex-Experten Peter Larson vom Black Hills Institute. Er machte Naturalis zunächst auf einen vielversprechenden Fund in Wyoming, USA, aufmerksam. Hier wurde im Frühjahr 2013 jedoch leider kein komplettes T. rex Skelett gefunden, sondern nur Teile des linken Beins und Fußes.

 

Zum Glück war die Chance auf einen T. rex damit nicht verpasst. Larson machte Naturalis auf eine andere Stelle aufmerksam. In Montana nämlich hatte ein Amateur-Paläontologenpaar Reste eines T. rex entdeckt: den Unterkiefer, einzelne Zähne, einen Teil des Hüftgelenks und das Steißbein. Man ging davon aus, dass noch mehr Material des T. rex im Boden lag. Vom 30. August bis zum 8. September 2013 führte Naturalis die Ausgrabungen fort. Das Expeditionsteam legte in Montana einen nahezu kompletten T. rex frei.

 

Es scheint, dass 80 % des Knochenvolumens vorhanden sind. Damit gehört dieses Fossil zu den drei am vollständigsten erhaltenen Tyrannosaurus rex-Skeletten der Welt. Außerdem sind alle Knochen ausgesprochen gut erhalten. Die Qualität dieses Fossils ist im Vergleich anderen großen T. rex-Funden unübertroffen. Um die Knochen zu schützen, wurden sie eingegipst und im Labor des Black Hills Institute weiter präpariert. Von fehlenden Knochen wurden 3D-Drucke angefertigt. Alle Knochen wurden in einem Stahlrahmen montiert. Erstmals in der Geschichte wurde der originale, massige Schädel auf das Skelett platziert.

Zahlen & Daten zum Skelett

Länge:

Höhe:

Alter des Skeletts:

Länge des Schädels:

Vollständigkeit des Skeletts:

Alter des Tieres:

Geschlecht:

Gewicht des lebenden ausgewachsenen T. rex:

Fundort:

Ausgrabung:

12 Meter

4-5 Meter

66-67 Millionen Jahre

1,5 Meter

etwa 80% Knochenvolumen, internationale Top 3

mind. 30 Jahre, bis dato der älteste T. rex

sehr wahrscheinlich weiblich

5.000 Kilogramm

Montana, USA

30. August bis 8. September 2013


Die Ausstellung

Man tritt im wahrsten Sinne des Wortes in die Welt des T. rex ein. Lebensechte Dinoroboter erwecken die Kreidezeit zum Leben. Interaktiv lernen die Besucher Wissenswertes über die Dinosaurier. Und dann stehen sie dem T. rex Auge in Auge gegenüber. Das Skelett ist eines der drei am vollständigsten erhaltenen der Welt. Erstmals in der Geschichte wird hier der massive Originalschädel auf dem Skelett ausgestellt. Und der Besucher erfährt, was die Knochen alles über das turbulente Leben des T. rex verraten.

 

An den interaktiven Stationen sind die Besucher selbst an der Reihe, aktiv zu werden. Mit spielerischen, interaktiven Elementen machen sie sich auf die Suche nach Antworten. So können Eltern mit ihren Kindern herausfinden, ob sie einen guten Dinosaurier-Snack abgeben würden. Oder ob sie schnell genug Rad fahren, um einem hungrigen T. rex zu entkommen.

 

Zudem können die Besucher selbst Fossile ausgraben und ihren Fund mit anderen Knochen von früher und heute vergleichen. Kinder können mit Spielzeugdinos, Pflanzen, echten Steinen und Fossilien ihre eigene Dinowelt bauen.

 

Forschungsarbeiten zum T. rex

Naturalis führt eine detaillierte morphologische Beschreibung der Knochen sowie einen Vergleich mit anderen Exemplaren durch. Gemeinsam mit anderen Forschern aus dem In- und Ausland wird Naturalis versuchen, diverse Forschungsfragen zu beantworten.

 

Das Skelett
Es scheint, dass 80 % des Knochenvolumens vorhanden sind. Alle essentiellen, voluminösen Knochen sind vorhanden. Nur einige kleinere Knochen fehlen. Damit gehört dieses Fossil zu den drei am vollständigsten erhaltenen Tyrannosaurus rex Skeletten der Welt. Außerdem sind alle Knochen ausgesprochen gut erhalten. Die Qualität dieses Fossils ist im Vergleich zu einigen anderen großen T. rex-Funden unübertroffen.

 

Alter des Skeletts
T. rex lebte am Ende der Kreidezeit vor 67 bis 66 Millionen Jahren. Es ist jedoch wichtig, genau zu wissen, wie alt dieses Skelett war, um die Evolution des T. rex noch besser verfolgen zu können. Das genaue Alter wird mit Hilfe geologischer und paläomagnetischer Untersuchungen und einem Lackprofil des Bodens bestimmt. Naturalis arbeitet hierbei mit Geologen der Freien Universität Amsterdam und der Universität Utrecht zusammen. Außerdem trägt die Erforschung von fossilen Pflanzen und Pollenresten aus denselben Erdschichten zur Altersbestimmung des Skeletts bei.

 

Alter des Tieres
So wie das Alter von Bäumen durch Zählen der Jahresringe bestimmt werden kann, lässt sich auch das Alter dieses T. rex durch Zählen der Wachstumslinien in den Knochen ermitteln. Hierbei kam die Röntgenmikrotomografie, ein bildgebendes, knochenschonendes Verfahren, zum Einsatz. Nur in das Wadenbein, die Fibula, wurde ein sehr kleines Loch gebohrt, damit die Ergebnisse des Röntgenverfahrens miteinander verglichen werden konnten. Dies erfolgte in Zusammenarbeit mit einem belgischen Forscher, der mit der Freien Universität Brüssel und dem Königlichen Belgischen Institut für Naturgeschichte verbunden ist. Die Wachstumslinien waren infolge von Remodeling, eines biologischen Prozesses, der mit zunehmendem Alter des Tieres einsetzt, kaum noch erkennbar. Das deutet darauf hin, dass es sich um ein sehr altes Exemplar handelt. Die Rauheit des Schädels lässt ebenfalls darauf schließen, dass dieses Individuum ein für einen T. rex hohes Alter von bestimmt 30 Jahren erreicht hat.

 

 

Schädel
Der Schädel wurde mit Hilfe eines großen Industrie-CT-Scanners im Fraunhofer-Entwicklungszentrum Röntgentechnik (EZRT) in Fürth gescannt. Die Auflösung dieses 3D-Scans ist in jeder Dimension zehn Mal so hoch wie die irgendeines anderen Scans eines T. rex-Schädels. Es sind Details zu sehen, die kleiner als 1 mm sind. Das ist einmalig. Sogar die ursprüngliche Lage von Weichgewebe wie den Atemwegen ist zu erkennen. Der Scan ermöglichte es, einen 3D-Druck des Gehirns dieses T. rex zu erstellen.

 

Geschlecht
Der erste klare Hinweis darauf, dass es sich bei diesem T. rex um ein weibliches Exemplar handelt, ist der dicke Höcker über der Augenhöhle. Frühere T. rex-Funde haben gezeigt, dass diese Art in zwei verschiedenen Erscheinungsformen, nämlich in robuster und weniger robuster Form, auftrat. Wahrscheinlich war dies ein Merkmal, durch das sich die beiden Geschlechter voneinander unterschieden. Das Vorhandensein von Gewebe mit Kalkeinlagerungen im Inneren einiger Knochen bei der robusten Form verrät, dass es sich bei diesem Exemplar um einen weiblichen T. rex handelt. Die Mineralien werden zeitweise eingelagert und so ein Vorrat für die Produktion von Eiern geschaffen. Naturalis wird bei dem gefundenen Skelett - der robusten Form - die Unterschiede zwischen der robusten und weniger robusten Form weiter untersuchen. Außerdem hoffen die Forscher, Hinweise auf Kalkeinlagerungen zu finden, obwohl man noch nicht weiß, in welchem Alter T. rex das Eierlegen eingestellt hat.

 

Ernährung
Analysen stabiler Isotope in fossilem Material, vor allem von 13C (Kohlenstoff) und 18O (Sauerstoff), liefern eine Fülle von Informationen über das Leben dieses Dinosauriers. Die Menge an 13C kann etwas über den Speisezettel des T. rex aussagen, die Menge an 18O wiederum verrät die Körpertemperatur und chemische Zusammensetzung des Wassers, das dieser T. rex trank. Durch den Vergleich aufeinander folgender Schichten Zahnschmelz hoffen die Forscher, mögliche Migrationsmuster zu erkennen. Die Untersuchung auf stabile Isotope erfolgt in Zusammenarbeit mit der Freien Universität Amsterdam.

 

 

Knochenschäden und -erkrankungen
Bei der Ausgrabung stellten die Paläontologen Anzeichen verschiedener Erkrankungen und Schäden der Knochen fest. Das bedeutet, dass die alte Dame in ihrem Leben Krankheiten und Verletzungen überstanden hat.
Das rechte Wadenbein sowie eine der Rippen lassen Verwachsungen erkennen, die auf einen Knochenbruch oder eine Infektion hindeuten.
Auch die Kiefer mussten einiges aushalten. Sie hatte eine Infektion im rechten Oberkiefer und im linken Unterkiefer klafft ein Loch. Dieses wurde möglicherweise durch einen männlichen T.rex bei einer Paarung verursacht oder entstand bei einem Kampf. Weitere Hinweise auf einen Kampf mit einem Artgenossen sind eine verheilte Bisswunde am rechten Oberkiefer und einige teils verheilte Schrammen am linken Oberkiefer. Diese Verletzungen hat sie sich nur wenige Wochen vor ihrem Tod zugezogen.
Das Kreuzbein und der erste Rückenwirbel sind ungleich entwickelt. Dies kann auf eine angeborene Abweichung oder eine Verletzung in sehr jungem Alter hinweisen. Auch an den Schwanzwirbeln wurden weitere Abweichungen vorgefunden.
Durch all diese Hinweise erfahren wir mehr über das Alltagsleben von Dinosauriern vor 66 Millionen Jahren.
An den medizinischen Untersuchungen der T. rex-Knochen ist auch das Leidener Universitätsklinikum (LUMC) beteiligt.

 

Geschwindigkeit
Gemeinsam mit Forschern aus Manchester wollen wir versuchen, genauere Erkenntnisse über die Fortbewegung des T. rex zu gewinnen. Schon seit Jahren werden die Art der Fortbewegung und die Spitzengeschwindigkeit des T. rex diskutiert. Aktuelle Forschungsergebnisse weisen auf die möglicherweise wichtigere Rolle hin, die in den Sehnen gespeicherte Energie während bestimmter Phasen der Fortbewegung gespielt hat. Naturalis wird mit Hilfe der erstellten CT-Scans die Form der Knochen und die Befestigung der Sehnen genauer untersuchen. Dieser alte T. rex kann somit wertvolle Informationen im Hinblick auf die Untersuchung der Geschwindigkeit des T. rex liefern.